Die Instrumente der Sternwarte Uecht

Sonnenuhr

Eine Sonnenuhr ist ein elementares astronomisches Instrument, welches den momentanen Stand der Sonne am Tageshimmel in die aktuelle Zeit- und Datumsangabe übersetzt.

Die Jubiläumssonnenuhr der Sternwarte Uecht kombiniert wohl erstmalig eine gewöhnliche Punktsonnenuhr für die Vormittagsstunden mit einer Reflexionssonnenuhr für die Nachmittagsstunden. Kernstück ist eine Lochspiegelscheibe, d.h. eine im Zentrum gelochte Metallscheibe, deren Rückseite hochglanzpoliert ist und als Spiegel dient. Diese Scheibe hängt an einem Metallbogen auf der Höhe des Flachdachs des Sternwartengebäudes. Ihre Ebene liegt genau in Nord-Süd-Richtung. Im Laufe der Vormittagsstunden treffen die Sonnenstrahlen durch das Loch auf die südostorientierte Gebäudewand und wandern als Punktzeiger über das aufgemalte Zifferblatt bis zur Mittagslinie. Danach sorgt die Reflexion der über das Flachdach einfallenden Sonnenstrahlen an der spiegelnden Scheibenseite, dass auch nachmittags, wenn die Wand im Schatten liegt, ein rückwärts wandernder Lichtring auf dasselbe Zifferblatt fällt. Das nicht ganz 2m x 2m grosse Zifferblatt ist durch die charakteristischen, nach unten bzw. nach oben gekrümmten Sommer- und Winterwendebögen sowie durch den Rand der Wand begrenzt. Angegeben sind sowohl die Wahre Zeit in Form von Stundenlinien als auch die dazu um etwa eine halbe Stunde vorverschobene mitteleuropäische Zeit in Form punktierter Achterschlaufen.
Diese Schlaufen berücksichtigen das saisonale Vor- bzw. Nachgehen einer mechanischen Uhr gegenüber einer Sonnenuhr. Markierungen für die Monatsersten erlauben zudem das Datum abzuschätzen.

Möge diese schlichte Sonnenuhr all jene, deren Weg zur Tageszeit an der Sternwarte vorbeiführt, daran erinnern, dass auch wir Menschen vom kosmisch Umfassenden unmittelbar und allzeit umgeben und durchdrungen sind.

Idee und Umsetzung: Bernhard Parodi und Ferdinand Mühlemann, Gnomoniker aus Ettingen, montiert mit geschätzter Beihilfe von Kurt Niklaus.

Die Kombinationssonnenuhr der Sternwarte Uecht von Bernhard Parodi

Zusammenfassung

Die Kombinationssonnenuhr der Sternwarte Uecht überlagert an einer Fast-Ostwand zwei vertikale Punktsonnenuhren mit einem einzigen Nodus in Form einer Lochspiegelscheibe: eine Öhr-Sonnenuhr mit Lochblende für späte Vormittagsstunden und eine Reflexions-Sonnenuhr mit Spiegelring (Spiegel-Sonnenuhr) für frühe Nachmittagsstunden. Aufgrund der Gunst der Lage, fast genau in der Mitte der ersten Zeitzone, sind bei Überlagerung der beiden Zifferblätter die jeweiligen Analemmata nur wenig gegeneinander verschoben, allerdings mit gegenläufig verlaufenden Monatsangaben. Die im Jahr 2001 erstellte Uecht-Uhr kommt daher für beide Fälle in guter Näherung mit nur einem, dem Vormittags-Zifferblatt aus. Dieser Artikel behandelt detailliert die Theorie vertikaler Punktsonnenuhren (inklusive die Kepler-Gleichung und eine Näherungsformel für die Zeitgleichung) und wendet sie auf die kombinierte Uecht-Uhr an. Für die gnomonische Projektion wird dabei auf ein sphärisch-trigonometrisches Verfahren nach Thabit ibn Qurra (9. Jh.) in der Realisierung nach Heinz Schilt sowie alternativ dazu auf eine elementare vektorgeometrische Methode Bezug genommen. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen die Sachverhalte. Die Implementierung der Formeln und eine Darstellung der berechneten, überlagerten Zifferblätter der Uecht-Uhr erfolgen reproduzierbar mittels Tabellenkalkulation.

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